Einfach ist es nie, wenn man sich für einen Abschussbock entscheiden muss. Passt er, ist er alt genug oder gibt man ihm noch ein paar Jahre. Nach unzähligen Ansitzen im Revier machte ich einen Bock aus, den ich bisher noch nicht gesehen hatte. Er stand an einer ungünstigen Stelle, zumindest jagdlich gesehen, weil kein Hochsitz in der Nähe war.

Doch das sollte mich nicht abhalten und ich packte meinen Hocker samt Pirschstock ein und setzte mich auf einer kleinen Anhöhe am Sojafeld an, wo ich den Bock gesehen hatte. Vermeintlich gut getarnt, konnte ich schon beim ersten Ansitz den Bock ins Spektiv bekommen und als „alten“ Recken ansprechen. An einen Schuss war nicht zu denken, er trat vom Mais auf eine Wiese aus, trieb eine Geiß ein paar Runden, bis die beiden in das Sojafeld wechselten und dort für mich nur mehr als zwei Häupter sichtbar waren. Unverrichteter Dinge machte ich mich auf und plante schon meinen nächsten Ansitz.

Dieses Mal setzte ich mich eher mittig vom Sojafeld in den Randstreifen und wartete auf den Bock. Doch wider erwarten, zeigte er sich nun ganz unten am Feld und nach kurzem Sichern über den Soja, verschwand er wieder im Maisfeld. Das ähnliche Spiel wiederholte sich noch drei Mal und immer musste ich erfolglos abziehen.

Samstagabend begleitete mich eine Jungjägerin auf den Ansitz und sie war von Anfang an guter Dinge, dass sie endlich dabei sein könnte, wenn ein Bock erlegt wird. Ich war mir da nicht so sicher. Kurz vor halb acht am Abend nahmen wir auf unseren Hockern Platz und versteckten uns hinter etwas höherem Bewuchs. Kurz vor acht trat ein weibliches Stück Rehwild vom Mais auf die Wiese und schließlich in den Soja, verschwand aber wieder zurück in den Mais. Am 1. August kann man den Reh-Fiep schon verwenden, gedacht, getan. Fünf Fieps später war immer noch alles ruhig und ich packte gerade die Pfeife weg. Da wurde die Jungjägerin nervös, „der Bock, da kommt er“, hörte ich und nahm leise mein Fernglas, um ihn selbst zu bestätigen. Kurz nach acht Uhr trat der seit langem gejagte Bock also aus dem Mais und sicherte wo der Fiep her kam. Die Entferung passte und auch ein Kugelfang war gegeben.

Schnell packte ich meinen Steyr Mannlicher Repetierer auf den Pirschstock doch der Bock warRehbock verschwunden. Meine Begleitung beruhigte sich wieder, ich suchte mit dem Zielfernrohr noch die Feldkante ab. Siehe da der Bock wechselte vom Soja über die Wiese zum Mais. Ich visierte ihn an, pfiff und der Bock blieb stehen. Ich stach mein Gewehr ein, löste die Sicherung und pfiff
noch einmal und der Bock stellte sich breit und die Kugel verließ den Lauf. Deutlich zeichnend, flüchtete der Bock in den Mais. Der Jungjägerin klingelten die Ohren und mich hatte das Jagdfieber gepackt. „Hoffentlich liegt er“, dachte ich mir und holte meinen Hund vom Auto.

Am Anschuss dann die Erleichterung, wir konnten sofort Schweiss ausmachen und meine Labrador Hündin zog mich in Richtung Rehbock. Nach rund 20 Metern lag er da. Was für ein Erlebnis, nicht nur für die Jungjägerin auch für mich und meinen Hund. Der Bock bekam den letzten Bissen und wir Rehbockbrachten ihn nach Hause zum Aufbrechen. Es ist ein
mittelalter bis alter ungerader Sechser, mit relativ hohen Stangen. Nach langer Jagd, bei perfekten Bedingungen so einen Bock zurStrecke zu bringen – Jägerherz was willst du mehr.

Nachtrag: Nach dem Auskochen schätze ich durch den Zahnabschliff den Bock auf etwa fünf Jahre. Durch die schwache Trophäe ein passender Abschussbock, natürlich mildert das meine Freude über die Erlegung dieses Rehbocks nicht und das Krickerl wird einen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommen.Unterkiefer Rehbock

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